Myko­la­jiw – Die Stadt auf der Woge

© Olga Shche­lush­chenko

Die Oblast Myko­la­jiw im ukrai­ni­schen Süden ist eine Region voller Ver­spre­chen: Die Sonne, die Flüsse, das Meer, der Wein. Doch der tou­ris­ti­sche Auf­schwung lässt auf sich warten, denn die ent­spre­chende Infra­struk­tur fehlt noch. Die Hoff­nung der Region liegt in der jungen Zivil­ge­sell­schaft. Von Anna Ganzhul, Daria Frych-Alchina and Evgen Gomon­juk.

 #RegioU­kraine erscheint in Koope­ra­tion mit Kyjiwer Gesprä­che

Myko­la­jiw wird zurecht die „Stadt auf der Woge” genannt, liegt sie doch an einem unge­wöhn­li­chen Ort, direkt an der Mündung von zwei Flüssen: Süd­li­cher Bug und Inhul. Aus der Vogel­per­spek­tive nimmt sie sich aus wie der Like-Button, eine Hand mit erho­be­nem Daumen. Ein­woh­ne­rIn­nen scher­zen oft: „Zwar liegt unsere Stadt nicht am Meer, aber wir haben so viel Wasser hier, dass wir kein Meer mehr brau­chen!”

Die langen Ufer prägen die Stadt. Was­ser­sport­ar­ten und Nah­erho­lung am und auf dem Wasser sind sehr populär. Myko­la­jiw ist ein Zentrum des Segel­sports in der Ukraine. Über­haupt ist das gesamte städ­ti­sche Leben eng mit dem Wasser ver­bun­den. Vor 230 Jahren ent­stand die erste Ansied­lung um eine Werft herum, und Myko­la­jiw genoss für lange Zeiten den Ruf einer Schiff­bau­er­stadt, zumal dort zu Sowjet­zei­ten die vier größten Flug­zeug­trä­ger­ty­pen pro­du­ziert wurden.

Doch schon viel früher blühte in der Region das Leben, woran noch heute die antike grie­chi­sche Sied­lung Olbia bei Myko­la­jiw erin­nert. Dort eine der über 2000 Jahre alten Ton­scher­ben zu finden ist der größte Wunsch aller Kinder, die Olbia besu­chen, und Erwach­sene haben beim Blick auf die dicht gedrängt ste­hen­den Häu­ser­fun­da­mente und vielen antiken Über­reste keine Mühe, sich weiße Säulen, ein­la­dende Por­ti­ken und eine belebte Agora vor­zu­stel­len, auf der die Stadt­be­woh­ner zusam­men­ka­men. Jetzt ist es hier still, das Feder­gras raschelt, im Fluss­delta plät­schert das Wasser, es lässt sich gut medi­tie­ren.

Das Thema Wasser durch­zieht die Geschichte Myko­la­jiws wie ein roter Faden.

Der Sommer ist die beste Zeit, dies am eigenen Leibe zu erfah­ren und etwa am Strand schwim­men zu gehen (wer tiefe und kalte Wasser mag, springt in den Süd­li­chen Bug, wer lieber ent­spannt im Warmen schwimmt, geht an den Inhul), einer Segel­re­gatta zuzu­se­hen oder gleich selbst die Segel zu setzen und die Stadt vom Wasser aus zu betrach­ten.

Letz­te­res lässt sich auf einer Motor­boot­fahrt sogar mit dem Genuss eines Jazz­kon­zerts ver­bin­den, die Big Band von Wla­di­mir Alek­seew spielt jedes Wochen­ende auf dem Wasser auf. Es ist schon etwas Beson­de­res, zu Live-Jazz­klän­gen die Hand in das in allen Gold- und Rot­tö­nen der sin­ken­den Sonne schim­mernde Wasser zu tauchen. Wer es lieber etwas dyna­mi­scher mag, geht Kite­sur­fen oder testet seine Balance auf dem SUP-Board.

Myko­la­jiw ist eine relativ junge Stadt, die nach einem klaren stadt­pla­ne­ri­schen Konzept ange­legt wurde.

Im his­to­ri­schen Zentrum sind die Straßen gerade und die Plätze abge­zir­kelt, ver­win­kelte Gäss­chen und wind­schiefe Häuser sucht man ver­geb­lich, doch gerade dadurch gibt einem die Stadt Raum zum Atmen und durch ihre Klar­heit verirrt man sich nie.

Aller­dings ist Myko­la­jiw bei­leibe keine bloße Arbei­ter­stadt, viel­mehr gibt es hier eines der ältes­ten noch in Gebrauch befind­li­chen Obser­va­to­rien. Gegrün­det 1821, um mari­time Navi­ga­ti­ons­sys­teme zu ent­wi­ckeln, werden dort heute die Dyna­mi­ken der Him­mels­kör­per im Son­nen­sys­tem erforscht.

Die Türen des Obser­va­to­ri­ums stehen auch Besu­che­rIn­nen offen. Gezeigt werden alte astro­no­mi­sche Appa­rate und Instru­mente, man kann in Ster­nen­kar­ten blät­tern oder sich wie ein Navi­ga­tor auf dem Meer fühlen. His­to­ri­sche Gebäude im Stil der Renais­sance und Neo-Renais­sance, die Ufer­pro­me­nade auf dem Hoch­ufer, das viele Grün im Zentrum, die längste, aus­schließ­lich Fuß­gän­gern vor­be­hal­tene Haupt­straße der Ukraine, hübsche Cafés, viel Sonne und eine südlich-ent­spannte Atmo­sphäre, all das macht Myko­la­jiw aus.

8Pritschal. Kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen

Auch in kul­tu­rel­ler Hin­sicht ist Myko­la­jiw eine Größe auf der regio­na­len Land­karte. Als Bei­spiel mag die Wie­der­be­le­bung des ehe­ma­li­gen Fluss­schiff­ha­fens dienen, der nach dem Ende der Sowjet­union langsam verfiel und zu einem Nie­mands­land mitten im Stadt­zen­trum zu werden drohte, in direk­ter Nach­bar­schaft zum Yacht­club, einem der meist­be­such­ten Orte Mykolajiws.Aber eine Gruppe Enga­gier­ter fand sich bereit, das Grund­stück und die 3000 Qua­drat­me­ter große Ruine in ein Kul­tur­zen­trum zu ver­wan­deln, das Ver­an­stal­tun­gen aller Art Obdach bietet. 2016 wurde eine Kom­plett­sa­nie­rung der Ufer­be­rei­che durch­ge­führt, und Dut­zende Ein­woh­ne­rIn­nen aus ver­schie­de­nen Stadt­tei­len betei­lig­ten sich an frei­wil­li­gen Aktio­nen zur Säu­be­rung des angren­zen­den Parks, der mitt­ler­weile zu einem der am häu­figs­ten auf Insta­gram aus Myko­la­jiw gepos­te­ten Motive avan­ciert ist, weil sich von dort aus der Son­nen­un­ter­gang über dem Fluss am schöns­ten ver­fol­gen lässt.

Doch die Neu­ge­stal­tung des Ufers war noch nicht das Ende der Fah­nen­stange. Inzwi­schen ver­wan­delt sich das ehe­ma­lige Hafen­ge­bäude in ein Zentrum für Moderne Kunst, das den Namen 8Prytschal, zu Deutsch Anle­ge­stelle 8 trägt (früher hatte der Hafen sieben Anle­ge­stel­len, der Name ver­weist auf die achte, die inner­li­che Anla­ge­stelle, den Ort, an dem jeder in sich seinen Hei­mat­ha­fen findet).

Noch laufen am Gebäude die Sanie­rungs­maß­nah­men, trotz­dem fun­giert es bereits als Kris­tal­li­sa­ti­ons­ort für Moderne Kunst. 2019 wurde dort im Rahmen des Pro­jekts „Rei­sende Skulp­tu­ren” die Plastik Midd­le­Way (im Volks­mund Blaue Hand) des rumä­ni­schen Künst­lers Bohdan Raca auf­ge­stellt. Die vier Meter hohe blaue Hand auf ihrem Pos­ta­ment sorgte  unter den bislang mit Kunst­wer­ken dieser Art wenig ver­trau­ten Myko­la­ji­we­rIn­nen für erheb­li­che Unruhe, doch als die Skulp­tur nach einem halben Jahr wei­ter­reiste, war man ein­hel­lig der Ansicht, dies sei ein anre­gen­des und posi­ti­ves Expe­ri­ment gewesen.

© Evgen Gomon­juk

Auch das vier­wö­chige Fes­ti­val für Moderne Kunst im Oktober 2019, für welches ein Team junger Kul­tur­ma­na­ge­rIn­nen von MyART Plat­form orga­ni­sa­to­risch ver­ant­wort­lich war, wir­belte das gewohnte Kul­tur­le­ben der Stadt gehörig durch­ein­an­der. Es bot Aus­stel­lun­gen junger ukrai­ni­scher Künst­le­rIn­nen zum Thema Selbst­wahr­neh­mung in Raum und Zeit, die Foto­schau 18+, Musik­per­for­man­ces und Film­vor­füh­run­gen, Dis­kus­sio­nen und Work­shops, offene Vor­le­sun­gen und intime Treffen mit Künstler*Innen im kleinen Kreis.

8Prytschal ist heute ein leben­di­ger, wach­sen­der Ort, eine Schmiede inter­es­san­ter Ideen und ein Treff­punkt für die Men­schen. In den Som­mer­mo­na­ten gibt es dort jedes Wochen­ende frei zugäng­li­che Zumba-Kurse, Sal­sa­a­bende, Kon­zerte und Lesun­gen, mor­gend­li­ches Yoga und abend­li­che Gitar­ren­j­am­ses­si­ons, doch lädt der Ort auch einfach zum Bummeln und Ver­wei­len in einer offenen und krea­ti­ven Atmo­sphäre ein.

Mykola Kapa­zyna, Inves­tor und Ideen­ge­ber für 8Prytschal, meint: „Myko­la­jiw brauchte einen hoch­wer­ti­gen, öffent­li­chen Ort, der durch die Gemein­schaft in seinem Umfeld getra­gen wird. Mit 8Prytschal wollen wir diesen Ort eta­blie­ren, ihn mit Ver­an­stal­tun­gen beleben und dafür sorgen, dass jeder hier findet, was er braucht.”

Eine weitere inter­es­sante Initia­tive ist auch die Wie­der­be­le­bung des ver­las­se­nen Hauses der Flot­ten­of­fi­ziere als Som­mer­thea­ter. Mit Unter­stüt­zung der Ent­wick­lungs­agen­tur Myko­la­jiw und jugend­li­cher Akti­vis­tIn­nen wurde eine Som­mer­bühne errich­tet, auf der all­wö­chent­li­che Film­vor­füh­run­gen, Lesun­gen und Kon­zerte statt­fin­den. So konnte ein Ort, der zuvor ver­ram­melt im Dorn­rös­chen­schlaf lag, nutzbar gemacht werden und Auf­merk­sam­keit auf sich ziehen (immer­hin stammt das Gebäude aus dem Jahr 1824 und ist ein Archi­tek­tur­denk­mal der Stadt).

Mit Maß­nah­men dieser Art ver­su­chen Bür­ger­initia­ti­ven und Akti­vis­tIn­nen, der Abwan­de­rung gerade junger Men­schen in die Haupt­stadt oder ins Ausland wenigs­tens Einhalt zu gebie­ten. Vor dieser großen Her­aus­for­de­rung steht man im Moment nicht nur in Myko­la­jiw, sondern vie­ler­orts im Land.

Die Ver­ei­nigte Ter­ri­to­ri­al­ge­meinde Halyt­syn­owe kennt sich in der Jugend­ar­beit bestens aus. 2018 wurde hier auch das Zentrum für Erwach­se­nen­bil­dung gegrün­det, wo vom Com­pu­ter­kurs bis zur finan­zi­el­len All­ge­mein­bil­dung, vom Nähkurs bis zum Men­tal­trai­ning ein breites Kurs­an­ge­bot vor­ge­hal­ten wird.

In Halyt­syn­owe gibt es mit der Piw­denna Ini­zia­tiwa, der Initia­tive Süd, eine gut auf­ge­stellte, von jungen Men­schen ins Leben geru­fene Bür­ger­initia­tive. Ihre Mit­glie­der haben sich bereits aktiv an Bil­dungs­pro­jek­ten überall in der Ukraine betei­ligt, so dass die Idee nahe lag, ein eigenes Bil­dungs­zen­trum zu eröff­nen. Hiermit wollen sie den Bür­ge­rIn­nen vor Ort den Zugang zu Ange­bo­ten ermög­li­chen, aber auch einen Treff­punkt schaf­fen und Men­schen dazu ermu­ti­gen, eigene Kennt­nisse wei­ter­zu­ge­ben. 2018 konnte mit Unter­stüt­zung durch den Gemein­de­rat von Halit­syn­owe, USAID DOBRE und der Ver­tre­tung des Deut­schen Volks­hoch­schul­ver­bands Inter­na­tio­nal das erste Zentrum eröff­net werden.

Im Laufe der ver­gan­ge­nen zwei Jahre haben sich dort 450 Men­schen aus der Gemeinde ein­ge­bracht. Die meisten Kurs­teil­neh­me­rIn­nen haben im Anschluss ein eigenes Unter­neh­men gegrün­det oder sind im Begriff, sich selb­stän­dig zu machen. Im Moment ist vor­ge­se­hen, bis Ende 2021 fünf der­ar­tige Zentren zu betrei­ben, ein Vor­ha­ben, das die Gemeinde aktiv unter­stützt.

Urlaub am Meer

Zwar grenzt das Meer nicht direkt an die Stadt, immer­hin aber an die Region Myko­la­jiw. In den kleinen Bade­or­ten entlang der Küste herrscht rund um die Uhr reges Treiben. In Koblewe etwa, einem der bekann­tes­ten Feri­en­ziele der Süd­ukraine, läuft um 6 Uhr morgens der eine schon seinen Mor­gen­ma­ra­thon, während ein anderer gerade aus dem Nacht­klub zurück­kehrt; eine fährt Jetski, während sich andere in einem warmen Pool im Freibad aalen; jemand genießt seinen Kirsch­ku­chen (eine berühmte Spe­zia­li­tät des ukrai­ni­schen Südens) und andere gehen lieber in ein vor­neh­mes Restau­rant, um Muscheln zu ver­spei­sen, die die Fischer gerade frisch aus dem Meer gezogen haben.

Einen Ort aber gibt es in der Region Myko­la­jiw, dem die Herzen der­je­ni­gen in Scharen zuflie­gen, denen es um Natur­nähe geht: die Halb­in­sel Kinburn. „Zuflie­gen” ist das pas­sende Wort, denn die Halb­in­sel ist ein Natur­schutz­ge­biet mit vielen orni­tho­lo­gi­schen For­schungs­sta­tio­nen.

Es ist ein ein­zig­ar­ti­ger Ort, der auf der einen Seite Sand­strände bietet, die das Meer­was­ser sauber wäscht, auf der anderen Seite vom Süß­was­ser des Dnipro umspült wird.

Die Land­schaft zeich­net sich durch dichten Kie­fern­wald aus, in dem es sogar an Son­nen­ta­gen dunkel bleibt, sump­fige Tümpel mit Heil­schlamm und die gras­be­wach­sene Steppe, die im Wind wabert und betö­rend nach Honig und Aben­teu­ern duftet. Die Kinburn-Halb­in­sel wird oft als Kraft­ort bezeich­net, an dem man sich von der Stadt erholen und in sich selbst ver­sen­ken kann. Hierher gelangt man nur per Boot von Otscha­kow, und es gibt weder öffent­li­chen Nah­ver­kehr noch Super­märkte, manch­mal nicht einmal Mobil­funk­de­ckung. Dennoch ist alles hier auf Urlaub aus­ge­rich­tet.

Man kann direkt am Strand kam­pie­ren oder sich ein gemüt­li­ches Feri­en­häus­chen näher am Liman, dem Strand­see, mieten. Sozu­sa­gen mitten im Nichts liegen sogar einige Feri­en­an­la­gen, rundum nur Steppe und Meer. Große Firmen orga­ni­sie­ren hier Retre­ats, in Yoga­camps suchen Men­schen nach Selbst­ver­wirk­li­chung und Künst­le­rIn­nen arbei­ten im Freien.

Wein­her­stel­lung. Das Weingut Slivino Village

Für die süd­li­chen Regio­nen der Ukraine ist zudem der Wein­an­bau cha­rak­te­ris­tisch. Es gibt vier Wein­an­bau­ge­biete, deren eines exakt mit der Region Myko­la­jiw zusam­men­fällt. Es ist ein beson­de­res Gebiet, da auf­grund des Limans, der Lehm­bö­den und den vom Meer gepräg­ten Böden alle Trau­ben­sor­ten gedei­hen. Tra­di­tio­nelle und nur in der Ukraine vor­kom­mende Sorten sind etwa der Odes­saer Rotwein, der Weiß­wein aus Sucho­li­man­ski und der Telti-Kuruk.

Der Ort schlecht­hin für eine Probe ori­gi­nal ukrai­ni­scher Weine ist das fami­liäre, hand­werk­lich pro­du­zie­rende Weingut Slivino Village. Seine Wein­berge sind in Form von vier kas­ka­den­för­mig zu den Dünen abfal­len­den Ter­ras­sen ange­legt. Hier verlief früher das Fluss­bett des Süd­li­chen Bug, und noch vor 20 Jahren war dies ein ver­las­se­ner Ort, an dem sich nur eine  Trak­to­ren­werk­statt und eine Zie­ge­lei befanden.Die ersten Wein­stö­cke wurden 2012 gepflanzt, 2016 wurde die erste Ernte ein­ge­bracht und 2017 pro­du­zierte das Weingut die ersten prä­mier­ten Spit­zen­weine.

© Evgen Gomon­juk

Sli­vi­nos Grün­de­rIn­nen waren in diesem Jahr auch Initia­to­rIn­nen der Ver­ei­ni­gung der kleinen Wein­bau­ern der Schwarz­meer­küste, der neben Slivino noch 15 Wein­gü­ter ange­hö­ren, von denen vier in der Region Myko­la­jiw pro­du­zie­ren. Immer­hin gehört die Ukraine zu den fünf welt­weit als ideal beschrie­be­nen Zonen für den Ries­lin­g­an­bau. Gegen­wär­tig hat im Rahmen des von der Ver­ei­ni­gung initi­ier­ten Cluster-Pro­gramms jedes Weingut zwei Hektar Land erhal­ten, um diese Reben kon­zen­triert zu setzen. 16 Hektar ins­ge­samt werden nun auf diese Art bewirt­schaf­tet.

Georgij Molt­scha­now, Mit­be­sit­zer von Slivino Village, ergänzt: „Jetzt begin­nen wir, die kleinen, hand­werk­lich pro­du­zie­ren­den Wein­gü­ter auf der tou­ris­ti­schen Land­karte der Ukraine zu ver­an­kern. Wir arbei­ten an dem Projekt ‚Wein- und Genuss­wege durch die Region Myko­la­jiw‘, die unter anderem zu unserem Weingut, aber auch zur Aus­tern­farm ‚Austern der Skythen‘ und einer Schne­cken­farm führen werden. Damit dürften wir ein neues Glanz­licht für den gas­tro­no­mi­schen Tou­ris­mus in der Region setzen.”

Oft steht dem Erfolg der­ar­ti­ger Tou­ris­ten­rou­ten jedoch der schlechte Zustand der lokalen Infra­struk­tur ent­ge­gen. Die Region Myko­la­jiw zeich­net sich nicht gerade durch die besten Straßen aus, und so sind manche Attrak­tio­nen (etwa die Gra­nit­schluch­ten oder das ehe­ma­lige Gut eines unga­ri­schen Prinzen im Dorf Mostowe) mit dem Auto oder öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln nur schwer zu errei­chen. Auch steht die Region in Bezug auf ein pro­fes­sio­nel­les tou­ris­ti­sches Angebot noch ganz am Anfang. Noch nicht einmal alle Rajon­zen­tren ver­fü­gen über Hotels, in denen Tou­ris­tIn­nen Quar­tier nehmen können, und in den Dörfern ist die Idee eines grünen Tou­ris­mus gerade erst auf­ge­kom­men.

Oft heißt es dann, die Men­schen hier hätten keinen Unter­neh­mer­geist und war­te­ten immer nur darauf, dass sie jemand an die Hand nimmt. Das Team der Agentur für wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung Wos­ne­sensk möchte diese Ansicht wider­le­gen.

Die zunächst von einer Hand­voll Akti­vis­tIn­nen gegrün­dete Orga­ni­sa­tion hat mitt­ler­weile Zweig­stel­len in vier Städten, hat über 15 große Pro­jekte durch­ge­führt und viele kleine kom­mu­nale Initia­ti­ven unter­stützt. Sie zeigen alle, dass die Bür­ge­rIn­nen Ein­fluss nehmen können auf die Ent­wick­lung in ihren Städten und Gemein­den.

Das aus­sa­ge­kräf­tigste Bei­spiel des Wandels ist die Schaf­fung eines freien Jugend­raums in Per­wo­ma­jsk unter Betei­li­gung der Kyjiwer Gesprä­che im Jahr 2018. Eine drei­köp­fige Initia­tiv­gruppe aus Jugend­so­zi­al­ar­bei­te­rIn­nen und Stu­den­tIn­nen war der Ansicht, die Stadt benö­tigte einen Ort, an dem sich Jugend­li­che treffen, Ideen aus­tau­schen und Ent­wick­lun­gen ansto­ßen können.

Die Stadt unter­stützte diese Idee und stellte einen kleinen Raum zur Ver­fü­gung, den man in Eigen­re­gie reno­vierte. Das Team ist inzwi­schen auf 12 Mit­glie­der ange­wach­sen. Die Kyjiwer Gesprä­che haben bei der Erstel­lung des Lehr­plans der Urba­nis­tik­schu­lung gehol­fen, die in jedem Turnus über 40 Teil­neh­me­rIn­nen absol­vie­ren.

Aus dem Ukrai­ni­schen von Beatrix Kersten.

  • Muscheln auf der Halb­in­sel Kinburn © Evgen Gomon­juk
  • Georgij Molt­scha­now, Mit­be­sit­zer von Slivino Village © Evgen Gomon­juk
  • Die antike grie­chi­sche Sied­lung Olbia © Evgen Gomon­juk
  • Viel Wasser gibt es auch in der Region Myko­la­jiw © Evgen Gomon­juk
  • Myko­la­jiw, eine Stadt vom Wasser umgeben © Evgen Gomon­juk
  • Die Stadt ist geprägt vom Hafen... © Evgen Gomon­juk
  • ...und von der Zeit als Schiffs­bau­er­stadt © Evgen Gomon­juk
  • Sommer auf dem Frei­heits­platz © Evgen Gomon­juk
  • Die War­wariwka-Brücke am Süd­li­chen Bug © Evgen Gomon­juk
  • Wohn­ge­gen­den in Myko­la­jiw © Evgen Gomon­juk
  • Yoga im 8Pritschal © Evgen Gomon­juk
  • Som­mer­kino © Evgen Gomon­juk
  • Dra­chen­fes­ti­val © Evgen Gomon­juk

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